Woche drei ist vorbei, oh wei….

Noch ein paar Tage und der Sprachkurs ist vorbei. Schön zu wissen, dass jetzt noch 7 Wochen in Korea übrig sind; Zeit um das Gelernte anzuwenden. Aber auch diese Woche bin ich erstaunt, wie viel Neues ich immer noch in diesem Land entdecken kann.
Kommt doch mit auf Entdeckungsreise, wenn ihr schon zu Hause bleiben müsst.

Beginnen werde ich mit dem dritten Wochenende, dort wo ich beim letzten Mal aufgehört habe. Nebenbei erwähnt, gab es ein bisschen Kindergarten, aber “so ist das Leben!”, zumindest manchmal. Zu guter Letzt (als der Kindergarten geklärt wurde) sind wir doch zusammen (und nicht einzeln) nach Busan gefahren. Busan ist die zweitgrößte Stadt Koreas und der fünftgrößte Hafen der Welt, somit natürlich der wichtigste Hafen Koreas. Aber diese Stadt hat noch andere Superlativen: Sie beherbergt das größte Einkaufszentrum der Welt: “Shinsegae Centum City” heißt es, nicht weit vom Haeundae-Strand und die Größe wurde vom Guiness-Buch der Rekorde bestätigt. Natürlich ist es im Inneren ein Haus der Superlative. Im Erdgeschoss nur der teuerste Luxus und auch die anderen Etagen protzen nicht gerade mit Bescheidenheit. Nach einer Eingewöhnungszeit von einer Stunde konnte ich auch entspannt ohne die entsprechenden Geldmittel an diesen Geschäften vorbeigehen, reinschauen, die Leute beobachten und mir das Treiben genau anschauen. Fotografieren durfte man die werten Gäste des Hauses leider nicht, dafür sorgte ein Wächter am Eingang, an dem ich mich dann doch nicht mehr vorbei getraut habe in Jeans und T-Shirt einfachster Marke.

Nachdem ich mir alles angeschaut habe, die Eisbahn, das Kinozentrum, die circa 500 Geschäfte, das Fresszentrum im Keller und ich stolz war, keinen Cent im Laden gelassen zu haben, überredete ich die anderen zum Busan-Tover zu fahren. Eine Stunde U-Bahn-Fahrt ans andere Ende der Stadt belohnte uns mit einer wundervollen Sicht über die Stadt, tausende Appartmenthochhäuser (kor.: Apate), den Hafen, die Insel vor der Stadt und die hunderten Schiffe die auf dem offenen Meer darauf warteten ent- und beladen zu werden. Man sah auch die Baustelle mit dem Lotte-Tower, der auch mal sehr groß werden soll, 2012 soll er mal 510 Meter groß sein und damit den Taipei 101 (509 m) in Taiwan übertreffen. In Dubai beim Rückflug werde ich mir auch mal den Burj anschauen, das höchste Bauwerk der Welt mit 818 Meter.
Vom dem dagegen winzigen Busan-Tower (vl. 120 Meter) hat man trotzdem eine hervorragende Sicht. Nicht weit davon liegt der große, traditionelle Markt auf dem wir uns den Rest des Tages rumgetrieben hat. Wenn man sich wundert, warum jede vierte Frau in Korea eine Tasche von Louis Vitton tragen kann, der findet dort eine Antwort. Die Kopie ist eine Ehre für das Original, scheint hier das Motto zu sein. Jeder Meter wird genutzt um einen Stand aufzustellen, rechts und links quetschen sich Menschenmassen vorbei, irgendwo gibt es immer einen Stand mit Essen und natürlich über Louis Vitton wo das Auge hinschaut. Nach dem wilden Markttreiben habe ich mich von den anderen, die wieder nach Gyeongju fahren wollten, verabschiedet und habe mich auf dem Weg gemacht den Bruder der Verlobten meines koreanischen Kumpels und dessen Familie kennen zu lernen. Wie ihr wisst, kennt man ja über 6 Ecken jeden, und so habe ich jetzt noch komplizierte Bekannte. Aber dazu später mehr! 🙂
Auf dem Weg dorthin habe ich mein Abendessen am Kimbab-Laden neben dem Dongnae-Bahnhof gemacht. Dort habe ich das bisher beste Jamji-Gimbab besorgt und genüßlich gefuttert. Beim weiteren Marschieren durch die Stadt in die ungefähre Richtung der Wohnung sah ich einen Mann der Reis mit lautem Knall zu knusprigen Scheibchen auf der Ladefläche seines Pickups herstellte. Als ich fragte, ob ich ein Foto machen dürfe (mein koreanisch macht Fortschritte!) bot er mir eine kostenloses Probeexemplar an. Für läppische 1000 Won (60 Cent) gabs eine ganze Riesentüte davon. Ich kaufte sie und ging knabbernd zum Haus der Eltern. Dort wurde ich herzlichst empfangen, es gab Melone, ein paar Fragen, aber da man mir ansah wie müde ich war, durfte ich schon bald ins Bett gehen.
Am nächsten Morgen durfte ich freiwillig mit in die Kirche. Erst habe ich (mental) gestöhnt, aber irgendwie kam alles anders, naja: Die Messe musste ich mir schon anhören. Achja: Norebang (Karaoke) lieben die Koreaner: Und stellt Euch vor, sogar in ihren Navigationsgeräten gibt es ein Norebang. Bei der Hinfahrt haben wir also eben mal ein Lied geträllert. Aber auch Fernsehen schauen kann man mit den Dingern hier, was insbesondere Taxifahrer gerne tun: Sie rasen wie wild durch den Verkehr, hupen und umschiffen die Mopeds mit Essen auf dem Gepäckträger, aber nebenbei schauen sie mit einem (manchmal zwei) Augen auf den Bildschirm um mitzubekommen, was gerade im Drama passiert. Zurück zur Kirche: Meine dritte koreanische Messe: Das einzige was ich jetzt kapiert habe ist, dass Gott hier “Hananim” heißt. Aber immerhin! 🙂 Ansonsten ist die Musik nicht von schlechten Eltern, aber der Pfarrer ist mir doch immer etwas zu laut. Als ich das aber ausgehalten habe, wurde ich mit Essen, mit netten Menschen und einem wunderbaren Ausflug am Nachmittag belohnt.
Zurück zu den “Über 6 Ecken alle Menschen kennen”:
Die Freunde des Bruders der Verlobten meines Kumpels haben mich mit an einen schönen Strand genommen, haben Fotos gemacht und wir sind spazieren gegangen. Und wie sich das für einen koreanischen Abend gehört, endete er mit Soju, aber nicht ohne leckeres Samgyopsal (das Fleisch, was man in der Mitte des Tisches erst grillt, dann auf ein Salatblatt mit Beilagen garniert, zusammenrollt und sich dann im Mund schmecken lässt) und Norebang (also dieses Singsang in einem kleinen klimatisierten Zimmer mit großem Fernseher, drei Mikrophonen, großen Lautsprechern, ein paar Liederbüchern und natürlich seinen Freunden!). Leicht angeheitert hat mich der Bruder (der Verlobten meines koreanischen Kumpels) nich in letzter Minute zum Busbahnhof gefahren. Glücklich bin ich eingeschlagen bis ich eine Stunde später am Heimatort angekommen bin. Fast hätte ich dem Taxifahrer dort die falsche Uni gesagt, aber als er abbiegen wollte, konnte ich das noch mal korrigieren.
Verrückt ist schon, das die einstündige Busfahrt gerade mal 4000 Won kostet (2,5 Euro), während die fünfminütige Taxifahrt etwa genau so viel kostet. Dabei finde ich beides sehr billig, aber für das gleiche Geld bekommt man hier ein vollständiges Mittagessen.
Habe ich schonmal erwähnt, dass man mit Reisen auch Geld sparen kann? Insbesondere wenn man so oft eingeladen wird, wie hier. Fast hätte ich es vergessen: Meine Kirchenfreunde haben mich fürs nächste Wochenende gleich wieder herzlichst eingeladen. Schön, nicht wahr?
Montag sind wir am bisher schönsten aller Tempel gewesen. Tongdosa und ein kleiner Nebentempel, dessen Name mir nicht mehr einfällt. Traumhaft! Unbeschreiblich. Der Geruch von Weihrauch, das regelmässige Trommeln, die Mönche, die Schönheit und Gepflegtheit aller Gebäude, Pflanzen und Lebewesen…
Im Hintergrund die Reisfelder und die Berge, die ich so liebe. Wir wurden von einem jungen buddhistischen Mönch geführt, den ich fragte, wie sein Tagesablauf so aussieht. Er steht jeden Morgen um 3:30 auf, betet, bis circa 5:30, danach gibts um 6 Uhr Frühstück. von 7 Uhr bis 11 Uhr (circa) studiert er, vor allem liest und interpretiert er die Sutren. Mittagessen, nachmittags beten, ab 19 Uhr hat er private Zeit für sich. Aber um 21 Uhr wird schon wieder schlafen gegangen. Besitztümer hat er keine, außer den Dingen die wirklich notwendig sind. Zu Hause hat er aber alles verkauft.
Interessant war neben den wundervollen Tempeln auch, dass ein neuer Tempel gebaut wurde. Hochinteressant, wie diese Baukunst über die Jahrhunderte sich kaum verändert heute, abgesehen von den maschinellen Möglichkeiten. Trotzdem wird immer noch viel Handarbeit geleistet und kein Nagel zum Bauen benutzt!
Gläubige können sich auch einen Dachziegel zum Preis von 10.000 Won beschriften lassen. Nachdem wir das große Gelände ausgiebig erkundet haben, zumindest dort wo wir durften, sind wir Essen gegangen. Nebenbei, es gibt drei Gebiete im Tempel. Gebiet eins, wo jeder hindarf. Gebiet zwei ist nur für die Mönche, und  das dritte ist für Buddha allein. Das Essen fand schweigend statt. Ganz wichtig war, das man sich nicht mehr Reis nahm, als man Essen konnte: Das wäre das unhöflichste überhaupt gewesen, das Reis quasi das Gold der Mönche ist. Ob sie wirklich auf Reisspenden angewiesen sind, weiß ich nicht. Ich fragte den uns begleitenden Mönch nach dem Essen wie das mit dem Geld aussieht. Ob er auch Geld hat, sich etwas kaufen kann? Er bejahte dies. Beispielsweise in seinen Ferien (auch Mönche haben Ferien!) kann er etwas Geld verdienen. Und natürlich braucht auch ein Kloster Geld, über Spenden, über beschriftete Dachziegel oder kleine Zettel die in Lampignons an der Decke hängen.
Nach dem ich mir alles genau angeschaut habe, genoss ich es mich einmal dem Ritual der Meditation und der Verbeugung vor dem Buddha hinzugeben. Beim Meditieren ist mir auch wieder klargeworden, dass quasi alle Religionen der Welt das gleiche im Sinn haben. Deswegen gibt es bei mir auch keinen großen Unterschied mehr zwischen Atheist und Pantheist: Für mich scheint es jetzt sogar in Ordnung an allen religiösen Ritualen dieser Welt teilzunehmen. 🙂 Vielleicht einfacher als an keinem.
Zum Abschluss, als die Mönche bald schlafen gingen, wurden noch mal Musik gemacht. Das ist sehr flach gesagt, den hinter der Musik steckt große Bedeutung: Es gibt einen kleineres Gebäude mit zwei großen Trommeln, ungefähr so Hoch wie ein Mensch. Dann gibt es eine Monsterglocke, auch so groß wie ein Mensch. Dann gibt es noch einen übergroßen Fisch aus Holz und einen Dong. Die Trommel steht für die Lebewesen auf dem Land, der Gong für die Lebewesen in der Luft und der Fisch, na da dürft ihr raten. Leider weiß ich nicht mehr genau die Bedeutung der Glocke. Auf jeden Fall wird lange Zeit von verschiedenen Mönchen die Trommel rhythmisch geschlagen, bis irgendwann zuerst der Gong, dann der Holzfisch und zum Abschluss die große Glocke gedingdongst wird. Sehr schön anzusehen, und erst Recht anzuhören. Die Glocke hört man zwar, aber vor allem spürt man sie, wie sie den ganzen Körper zum vibrieren bringt.
Dienstag durften wir uns dann am Nachmittag selber an den Trommeln versuchen. Erstmal hat uns die Frauengruppe ihre Künste vorgeführt und viele erstaunt was sie kleine niedliche Frauen doch für einen Krach machen können: Aber sehr schönen Krach! Danach hat die ganze Gruppe ein kleines Stück gelernt und zum Schluss auch gespielt. Es hat zwar gedauert, aber dann klangs richtig gut, fand ich zumindest.
Abends sind wir mit unserer Koreanischlehrerin ins China-Restaurant essen gegangen, als Belohnung da wir das erste Buch abgeschlossen haben. Diesmal haben wir die Kosten für das Essen verlost. Es gab verschiedene Rangplätze, die verschieden viel bezahlen mussten. Der Letzte musste 10.000 Won und der Erste keinen Won bezahlen. Kurzgesagt: Danach ins Norebang. Kleiner Tipp: Wenn ihr Bohemian Rapsody von Queen singen wollt, übt vorher! 🙂 Das Lied ist der Hammer!
Mittwoch war ein bißchen langweiliger, aber das war mit ganz willkommen. Erst gab es zwei weitere Tempel, die auch schon waren, aber eben schon Tempel Nr. 6 und 7. Irgendwann kennt man ja das Prinzip. Danach sind wir zum Meer gefahren und haben dort das einzige Wassergrab der Welt anschauen können. Ein König aus der Shillazeit (von 57 v. Chr. bis 935 n. Chr.) hat sich dort begraben lassen, um im Falle des Falles, dass die Japaner mal wieder vorbeikommen um die Koreaner zu ärgern, er aus dem Wasser als Drache aus dem Wasser steigt. Das Grab ist mittlerweile auch so aufgerieben, dass es wirklich wie ein Drache im Wasser aussieht. Aber wie die Geschichte lehrt, hat es die Japaner nicht aufhalten können.
Donnerstag habe ich mir erstmal freigenommen um ein paar Emails zu schreiben und nach Hause zu telefonieren. Übrigens, ich freue mich immer Nachrichten von zu Hause!! Ich habe auch zum ersten Mal Nachricht von meinem Praktikum bekommen. Läuft alles super, bei den Koreanern muss man nur ein bißchen Geduld haben, dann klappt schon alles! 🙂
Abends haben wir zu Dritt noch Sport gemacht (5 km auf dem Laufband, ein paar Gewichte und ein bißchen Dehnung), danach Essen gegangen und zu guter letzt an einem Automaten hängen geblieben, bei dem Mann einen Hebel so bewegen muss, das man ein kleines Ding gewinnen kann. Aber wie das bei solchen Automaten ist, kommt man nicht drin, egal wie schlau man sich anstellt. Hauptsache 4000 Won den Bach runter! 🙂 Der Besitzer freut sich aufs Mittagessen.
Freitag habe ich vormittags an der Homepage gebastelt und bin dann abends nach Busan gefahren. Die Freunde des Bruders der Verlobten meines koreanischen Kumpels (die anderen sind auch alle Koreaner) hatten mich ja eingeladen, und ich hatte mich sehr gefreut, denn es würde Rafting angekündigt, d.h. mit ‘nem Gummiboot über den Fluss. Das klingt doch nach viel Spass, oder?
Aber zuerst muss die Peinigung sein: Meine 5. Messe! Aber diesmal nur eine Stunde, danach bin ich ins Bettchen gegangen und habe mich den Mücken zum Frass vorgeworfen.
Samstag, d.h. heute war einer der wundervollsten Tage überhaupt diesmal (neben den vielen andern wundervollsten Tagen): Nach dem Frühstück (Reis mit Beilagen, also so wie Mittags und Abends auch) sind wir an den Fluss gefahren und sind dort geraftet. Worte kann ich dafür, was ich heute gesehen habe kaum finden, und Bilder konnte ich keine machen. Ich versuchs. Viele Gummiboote voller Koreaner mit bunten Rettungswesten, ein breiter angenehmer Fluss, rechts und links gehen die Berge hoch, fast wie in den Alpen, aber eben meine typisch koreanischen Lieblingsberge, ein Kranich fliegt über uns hinweg, die Sonne scheint auf unsere Haut warm, das Wasser spritzt, es geht ein bißchen auf uns ab, die Angel stehen am Rand im Wasser und hoffen auf Fische. Bei einer kleinen Pause haben wir verrückte Spiele gespielt. Wasserschlachten und über den Rücken der Boote rutschen. Es gab ein gekochtes Ei und mir schien als wäre das Wasser golden. Das war einfach traumhaft! Traumhaft…
Abends wurde ich wiedermal zum Essen eingeladen, es war köstlich und wie durch Zufall habe ich genau den letzten Bus nach Hause bekommen. Dort entdeckte ich den Sonnenbrand auf meinen Beinen, habe geduscht, mich an den Computer in meinem Zimmer gesetzt, mir noch einen Grüntee gemacht und angefangen diesen Bericht zu schreiben. Aber heute der Tag war unbeschreiblich schön. Danke, allen, die mir das möglich gemacht haben. Meiner Familie, meinen Freunden, sowohl zu Hause als auch hier.
Es ist die letzte Woche in Gyeongju, die morgen anfängt, dann gehts nach Seoul. Was wird mich wohl dort erwarten. Ich bin sehr gespant!