Flug und Ankunft in Gyeongju

Korea ist für mich schon wie ein alter Bekannter. Ich weiß mit ihm umzugehen und freue mich auf unser Wiedersehen. Nur diesmal bin ich quasi auf mich selbst angewiesen hier klarzukommen, was aber außerordentlich gut klappt.

Vielleicht sollte ich erstmal über die Anreise berichten. Sie dauerte ungefähr 24 Stunden. Erstmal mit der Bahn von Bonn über Siegburg nach Frankfurt. Dort nahm ich den Flieger Richtung Dubai, stieg in den Flieger nach Incheon (bei Seoul) und fuhr von dort aus mit dem Bus nach Gyengju. Das Taxi brachte mich dann zum Studentenwohnheim in der Dongguk Universität.
Das sind die Fakten, noch keine Gefühle. Ich muss sagen, dass ich überhaupt mental und emotional kaum auf diese Reise vorbereitet bin. Kurz vor der Abreise habe ich noch bis in letzter Sekunde Dinge geregelt, am Tag vorher noch ein Referat gehalten. Kaum Zeit um sich zu freuen, sich Sorgen zu machen oder aufgeregt zu sein. So war auch die Fahrt: Etwas ernüchtert stellte ich fest: Ich fahre jetzt nach Korea. Ich sagte es mir noch mal, um es auch klar zu machen: Jetzt fahre ich nach Korea. Jetzt wo ich hier bin, sage ich mir: Ich bin in Korea. Was fehlt ist das “Wow”, was so viele mir gesagt haben, als ich losgefahren bin. “Ich beneide Dich” (kor.: Jo-ket-da!) Man verstehe mich bitte nicht falsch. Ich will nicht sagen, das ich unglücklich bin hier. Nein, es ist als ob ich einen Bekannten besuche, den ich gut kenne, und erst vor kurzem besucht habe. Ich erfreue mich ihn noch besser kennen zu lernen, mit ihm eine gute Zeit zu verbringen: Aber das ist kein Grund mehr zum Ausflippen oder Durchdrehen.

Fast wie ein Besuch zu Hause

Ich glaube ich kenne Korea mittlerweile sehr gut. Dank meiner Reise letzten Jahres, dank meines Kumpels, dank seiner Familie, dank der Ärzte, Krankenschwestern und deren Freunde habe ich ganz nah dabei sein dürfen. Ich war kein Tourist, kein Fremder oder Ausländer: Ich war Teil ihrer Familie, ihres Freundeskreises und ein herzlich willkommener Gast. Daher fühle ich mich jetzt auch wieder ein bißchen, als ob ich nach Hause fahre. Auch kein Grund auszuflippen, oder? Also alles ganz normal hier. Ich schreib doch mal auf, was mir alles typisch Koreanisch erscheint:
– überall Klimaanlagen, sogar die Toiletten am Fußballplatz oder die Bushaltestellen am Flughafen haben eine.
– Koreanisches Fernsehen: Viel Comedy, viel Drama, viel Emotionen. Meist mit Untertitel oder ergänzenden Kommentaren.
– Autos. Hyndai, Kia, Daewoo, meistens weiß. Keine Kombis, aber dafür alte Pickups, in Blau. Fahrräder werden angehupt, ob aus Vorsicht oder Rücksichtslosigkeit, weiß ich noch nicht.
– Landschaft: sehr hügelig. Was flach ist, dort wird Reis angebaut oder gewohnt. Ich bin immer noch verliebt in der Bergketten. Jede Bergkette, die weiter entfernt ist, wird grauer, bis sie eins mit dem Himmel werden. Traumhaft!
– Essen: Kimchi (das scharfe Zeug als Beilage), Chachangmyon (Das sind Nudeln mit brauner Soße), Bokembap (gebratener Reis), Bibimbab (Reis mit Gemüse), Udong (milde Suppe), manchmal auch Mandu (gefüllte und fritierte Teigtaschen) oder Kimbab (Reisrolle, umhüllt mit getrockneter Alge und gefüllt mit Gemüse), gefiltertes Wasser aus dem Automaten (entweder heiß oder kalt, aber nie: “normal”) das man aus sterilisierten Bechern trinkt und Soju (von dem ich bisher noch keinen getrunken habe!)
– Kleinigkeiten: Leuchtreklame in den Städten und wild durcheinander verbundene Kabel, Mädels mit der Hand vorm Mund, wenn sie lächeln (das ist eher anerzogen, als das sie wirklich schüchtern sind), achja, da fällt mir noch was ein: Ein Freund von mir meinte mal, in England wären im Sommer die Röcke so kurz: Da soll er mal hier hin kommen. Decolleté zeigen ist verpönnt, aber wenn hier der halbe Hintern rausschaut sagt keiner was: Ich übertreibe, aber nur ein wenig! Sagen wir es so: Man darf hier Bein zeigen.

Komplikationen auf dem Weg zur Dongguk-Uni

Was ich bisher so gemacht habe, wollt ihr wissen? Beim Aussteigen aus dem Flugzeug in Dubai (beim Zwischenstopp) habe ich einen Schock bekommen. 38 Grad, ich fühlte mich wie eine tiefgekühlte Fritte bei ihrem Sprung in die Fritteuse. Palmen, trockene, sandige Luft, eine leichte Brise. Der Flughafen ist sehr schick. Beim Rückflug schaue ich mir die Lage mal genauer an! In Korea angekommen hatte ich erstmal ein kleines Problem: Die Leiterin des Sprachkurses Frau Beckers-Kim hatte mir zwei verschiedene Handynummern geschickt. Schlußendlich hats ja doch geklappt, aber vorher habe ich 3 andere Leute erschrocken, die dann entweder auf gebrochenem Englisch klar machten, dass sie mich nicht kennen oder auf Koreanisch auflegten: Ihr wisst nicht wie man auf Koreanisch auflegt: Ganz einfach: Es klingt als würdet ihr einfach am Ende eines beliebigen Satzes eures Gesprächs auflegen. Zack Handy zu geklappt. Da gibts kein Tschüß oder Bis bald oder Anyeong ichweißnichtwas. Einfach Ja und auflegen. Echt! Ich find das immer noch super witzig, wenn ich das bei meinem Kumpel sehe.
Achja, das Problem hatte sich gelöst, als sie dann dran ging und mir sagte, wie ich zur Uni kommen könnte. Telefonkarte, Busticket und Wasser habe ich ganz alleine gekauft, soweit reichte mein Koreanisch noch. In Gyeongju hab ich mir dann einen Taxifahrer herbei gewunken und der hat dann kurz bei Frau Beckers-Kim angerufen, schon war ich da.

Mein Zimmer ist ein kleines Studentenwohnheimszimmer, das man sich hier normalerweise zu zweit teilt. Ich habe Glück eine ungerade Nummer zu sein und somit mein Zimmer für mich zu haben. Durch die Zeitverschiebung bin ich auch noch nachtaktiv. Ich meine, wie würdet ihr reagieren, wenn man von heute auf morgen plötzlich um 16 Uhr ins Bett gehen sollt. Das geht ja wohl nicht, oder? Aber als ich hier um Mitternacht Ortszeit ankam, gabs auch noch genug zu tun. Erstmal auspacken und mich einrichten, dann einmal mich unter der Dusche wieder zu einem Menschen machen (ich roch nämlich eher wie ein Elch, wie ich nach einem kurzen Schnuppern feststellen musste) und dann um 4 Uhr mit einem Film ins Bett. Achja: Frau Beckers-Kim ist eine sehr sympathische und liebenswerte  (vielleicht manchmal etwas verplante) 70jährige Deutsch-Koreanerin, die mir gestern Abend noch ein Ticket für die Mensa zugesteckt hat.

Erste Erkundungen, kulinarisch und mit Rad

Heute morgen (also um 12 Uhr hier) bin ich in die Mensa geschlichen und habe beobachtet, wie das hier funktioniert. Zum Fragen war ich etwas zu schüchtern. Noch! Es gab auch erst ab 12:30 Essen und somit habe ich mir unnötige Erklärungen erspart. Das Essen kennt man ja. Eine Suppe, etwas Rinderfleisch, ein bißchen Gemüse, scharfes Kimchi und nicht zu vergessen Reis.
Am Nebentisch hörte ich, beim Genießen der koreanischen Kost, deutsche Worte aus koreanischen Gesichtern, die freundlich schienen. Ich sprach sie an und sieh an, sie sind auch Sprachschüler. Insgesamt ist es ein bunt gemischtes Völkchen aus allen Ecken der Welt und allen Altersklassen, aber darüber ein anderes Mal mehr.
Zu dritt haben wir am Nachmittag eine Fahrradtour durch Gyeongju unternommen, die ich sehr genossen habe: die Freiheit des Fahrradfahrens. Der Wind weht einem um die Ohren, man kann viel Landschaft erkunden und schnell wieder nach Hause fahren. Bei der Rückfahrt haben wir Koreaner unter den Brücken picknicken gesehen. Wir konnten es uns nicht erklären! Weder regnete es, noch schien die Sonne: Und unter der Brücke war es nicht sehr gemütlich, zumindest nach meinem Geschmack.
Abends sind wir in der Gruppe Essen gegangen. Ich habe gebratenen Reis bestellt, aber nirgendwo schmeckt er so gut wie bei den Eltern meines Kumpels! Ich freue mich schon sehr auf seine Hochzeit und auf ein Wiedersehen mit Ihnen.
Ich freue mich auch, über Eure Kommentare und auf eine kleine Email, damit ich auf dem Laufenden bleibe, was bei Euch so passiert!

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