Josu, Busan & Gyeongju und viel Soju im Blut

Die letzte Woche bricht an und in mir herrscht ein wenig Aufbruchstimmung, zumindest finden jetzt die letzten Familientreffen und Abendessen mit den Freunden des Krankenhauses statt und man merkt, dass ein Tropfen Abschied in der Luft liegt. Mir scheint auch, dass 5 Wochen genau der richtige Zeitraum war, denn mittlerweile habe ich das Gefuehl, dass der 4. Tempel den anderen schon sehr aehnlich ist. Die Staedte gleichen sich immer mehr. Trotzdem gibts noch Schoenes zu berichten von meinen Ausfluegen nach Josu, Busan und Gyeong-Ju.

Am Samstagabend haben wir in Jesu den langjaehrigen Kumpel, Mitbewohner und Freund von meinem koreanischen Freund getroffen. Er ist wirklich eine Frohnatur, wir haben sehr viel gelacht und erlebt. Er wollte uns die heutige Feierkultur der jugendlichen Koreaner zeigen, und ich sollte was zu sehen bekommen. Vor dem Feiern muss man Essen, nach dem Essen geht man dann trinken und singen. Alles sah aus wie ueblich. Wir sind in eine Disko gegangen, doch blieben wir nicht auf der Tanzflaeche sondern wurden eine Etage tiefer ein einen kleinen Karaoke-Raum gefuehrt. So weit so gut, alles gewohnt. Die Getraenke waren ungewoehnlich teuer, aber gut, schliesslich war alles inklusive von dem Fruchtkorb ueber Bier und Whiskey, achja und viel Soju! Wir unterhielten uns, dann haben wir Karaoke bis zum Umfallen gemacht. Bis zu einem Moment, wo die Tuer sich oeffnete, der Freund uns anwies uns hinzusetzen, die Musik auszumachen, und dann wuerden drei Damen mittleren Alters in unser Zimmer gefuert, eigentlich mehr gezerrt. Die setzten sich neben uns, und die anderen haben sich unterhalten, ich habe nur Fetzen aufgeschnappt, dass ich aus Deutschland komme und so… es wurdse ganz witzig, wir gaben die Getraenke aus, die Maedels sangen und tanzten mit uns. Nach ein paar Liedern verliessen sie das Zimmer. Der Freund meinte zu mir, sie fuehlten sich zu alt fuer uns. Gleiches Schauspiel ging so einige Male, diesmal mit juengeren Maedchen. Sughun erklaerte mir, dass sie freiwillig hierunterkommen um Jungs oder Maenner kennenzulernen, umsonst zu trinken und ihren Spass zu haben. Ich war schon schwer erstaunt.
Richtig witzig ist es aber nicht mehr geworden, keine der Maedels hat es lange ausgehalten, ich habe ihnen auch keine grosse Beachtung geschenkt, gebe ich zu, mein Herz war nicht bei Ihnen sondern bei den Liedern, den ich liebe Norebang! Verglichen mit dem Abend mit den Krankenschwestern, die wirklich nett waren, bei denen eine menschliche gute Beziehung bestand, bei denen man sich fallen lassen konnte, war dieser Abend eine Vollpleite, aber trotzdem interessant!
Spaeter als alles ausgetrunken war und wir alle etwas zu betrunken waren, sind wir noch mal Essen gegangen (Knochensuppe) und haben uns dann von einem Service nach Hause fahren lassen, im eigenen Auto. Ein zweiter Mann faehrt hinterher, also praktisch ein Taxifahrer im eigenen Auto.
Der Freund meines koreanischen Freundes lied mich ein, mit ihm nach Busan zu fahren, ich koennte bei ihm im Buero uebernachten. So fuhren wir am naechsten Tag nach Busan, die zeitgroesste Stadt Koreas, mit dem wichtigsten und groessten Hafen. Busan gefiel mir auf den ersten Blick besser, es lag an der Kueste, die riesigen Appartmenttuerme waren schoen weiss und sahen wir Kalkfelsen auf den Bergen aus, die Stadt wirkte auf mich etwas organisierter als Seoul, erinnerte mich vielleicht auch an die Staedte, die ich in Deutschland gewohnt bin, auch wenn es nicht wirklich vergleichbar ist.
Der Freund ist Versicherungsmakler arbeitet und schlaeft einige Tage in der Woche in Busan und faehrt dann wieder zu seiner Familie und Arbeit in Seoul. Seine Kollegen und wir sind abends ausgegangen, mal wieder alle inklusive mir total besoffen, nur dass ich immer noch knapper Sieger bin. Den naechsten tag bin ich durch die Stadt gelaufen, habe sie mir vom Busan-Tower von oben angeschaut und fand sie wirklich huebsch. Eine Stadt am Meer, beruehmt fuer seinen Strand Haeundae, der total uebervoelkert ist im Sommer. Aber wenn man in der Stadt sein muss, weil man nur dort sein Geld verdienen kann, dann ist Busan doch richtig schoen. Aber nichts fuer meinen Geschmack.
Die kleinen Gassen waren aehnlich wie in Seoul oder in jedem Ort. Riesige bunte Schilder, Frauen, die auf dem Boden sitzend Gemuese verkaufen, Fischstaende, viel Kimchi und Zutaten fuer Kimchi, und alle anderen Produkte die auf Maerkten verkauft werden. Ueberall verschiedene Gerueche, von frischem Plastik bis altem Fisch ist alles dabei. Immer wieder ein Moped das zwischen die Staende und die Menschen wedelt, entweder um Essen oder Waren zu liefern. Viele Transporte werden auf diesen kleinen Mopeds gemacht, die oft so beladen sind, dass die Hinterfelge fest auf der Strasse aufliegt und der Reifen zu platzen droht.
Die Frauen mittleren Alters tragen so haufig eine komische wirkende riesige Schirmmuetze, vermutlich ist es um ihre Haut vor der Braunung zu bewahren, helle Haut ist vermutlich Schoenheitsideal, genau wie die zweite Liedfalte.
Am naechsten Tag bin ich nach Gyongju gefahren. Gyong-Ju war die Hauptstadt im Silla-Reich, das von 57 v. Chr. bis 935 bestand. Die Hauptattraktionen dort ist ein Tempel, den ich aber nicht besichtigt habe, weil er 20 Kilometer entfernt war und ich nur zu Fuss unterwegs war, und nicht ausreichend Zeit hatte. In der Innenstadt gab es viele Graeber. In Korea werden die Toten “eingehuegelt”, auch heute noch sieht man ueberall kreuz und quer ueber das Land verteilt, meist an Bergraendern die kleinen begruenten Erdhuegel. Das gleiche wurde fuer die Koenige der Silla-Zeit gemacht, selbstverstaendlich in angemessener Groesse. SO findet man ueberall diese riesigen Erdhuegel. Etwas langweilig nach dem 15 Huegel. Also bin ich zu einem Teich gegangen, den einer der Koenige angelegt hatte, als Platz fuer private Feiern und fuer den Prinzen. Dort bekam ich fuer mich ganz alleine eine englische, naja konglische Fuehrung ueber das Gelaende und habe viele interessante Einzelheiten erfahren, zum Beispiel das runde Saeulen und bunte Haeuser den koeniglichen Familien und den Moenchen in Tempeln vorbehalten waren. Die anderen mussten eckige Formen benutzen (so hab ich es wenigstens verstanden). Im Museum daneben wurde eine grosse Glocke ausgestellt und viele Ueberreste aus der Silla-Zeit, die von der hohen Kunstfertigkeit und der weitentwickelten Kultur in Korea zeugten.
Abends fuhr ich zurueck nach Busan, ich war des Reisens ein wenig muede geworden. Ich glaube mittlerweile ein sehr guten Eindruck von Korea bekommen zu haben, es gibt nicht mehr viele Dinge, die mich beim Ansehen erstaunen, es sind mehr die feinen Details, die jetzt mein Interesse wecken. Diese Details sind aber nicht offensichtlich beim Reisen, sondern vermutlich erfaehrt man sie beim Gespraech oder beim Lesen. So habe ich beschlossen die restlichen Tage in Korea keine groesseren fahrten zu unternehmen. Ich werde weiter Koreanisch lernen und ueben, viel Feiern und das Meer in Yulpo geniessen, um mich bald von ihm zu verabschieden.
In Busan sind die Kollegen wiedermal mit mir Essen gegangen. Diesmal ins beste Restaurant in ganz Korea, ihrer Meinung nach. Es gab gegrilltes Fleisch, dass in der Mitte des Tisches auf die dort eingelassene Kohle und den Gasbrenner zubereitet wurde. Dazu kam die huebsche Bedienung, vermutlich die Chefin, weil es wirklich ein kleiner aber feiner Laden war, und schnitt das Fleisch, wendete es, waehrend die Kollegen mir laut lachend und immer wieder Soju ausschuettend koreanische Schimpfwoerter beibrachten. Als ich sie spaeter lachend meinem koreanischen Freund eraehlte blieb ihm die Luft im Halse stecken. Er meinte er habe solch heftigen Sprueche vielleicht zweimal im Leben in Korea gehoert, ich sollte sie gefaelligst nicht wieder sagen. Ich fragte mich, was wohl die anderen Leute im Restaurant gedacht haben. Alle Mal hatten wir einen der witzigsten Abend mit dem meisten Soju meiner Schnaps-Karriere in Korea. Die letzte Nacht machte sich am Morgen dementsprechend schmerzend in meinem Kopf bemerkbar.
Mittlerweile bin ich wieder zurueck in Yulpo. Am Abend meiner Rueckkehr sind wir wieder mit den Krankenschwestern Essen gegangen. Mit ihnen haben wir immer sehr viel Spass und schoene Abende. Es tut aber auch etwas weh, weil wir wissen, dass wir in einer Woche weg sind. Aber heute Abend sind wir mit allen Schwestern im Restaurant der Eltern meines koreanisches Freundes verabredet, mit anschliessendem Norebang, und morgen ist der letzte Tag fuer Sunghun im Krankenhaus, da findet dann auch noch ein Abschiedsessen statt.
Am Wochenende findet der wichtigste Feiertag fuer die Koreaner statt, Chuseok, so aehnlich wie Erntedank, nur viel bedeutender als bei uns, eher wie Weihnachten in Deutschland. Die ganze Familie wird sich in Yulpo treffen und dort die Tage gemeinsam feiernd verbringen. Das fuehrt regelmaessig zu Verkehrschaos in ganz Korea. Strecken fuer die man gewoehnlich 4 Stunden braucht, werden an diesem Wochenende eher mit 12-14 Stunden eingeplant. Bus- und Bahntickets sind nur ueber Beziehung zu bekommen. Wir haben Beziehungen, sonst haetten wir ein Problem gehabt am Montag nach Seoul zu kommen, um am Mittwoch puenktlich im Flughafen zu sein. Das also die Plaene fuer die naechsten Tage.

Danke fuer die Kommentare! Das mit dem Kimcho ohne Kimchi ist kein Kimchi, da hatte ich wohl noch zu viel Soju im Blut. Das mit der Rechtschreibung korrigiere ich spaeter. Kalte Duschen lasse ich mir auch gerne schenken, wenn ihr den vorher mit mir Soju-Kampftrinken macht! 😉 Mein Lieblingssatz auf Koreanisch ist mittlerweile “Soju ist fuer mich wie Wasser”. Erst lachen alle darueber, bis ihre suessen Gummibaerchen-Nasen (alle Koreaner haben sie) rot leuchten und sie selber nicht mehr wissen, ob ich Ihnen mit beiden Haenden Wasser oder Soju einschenke. Und taetsaechlich haben Koreaner einen aehnlichen Temperament wie Italienern an sich (vielleicht weil beide auf einer Halbinsel leben, viel Fisch essen oder so?). Die wilde Fahrweise, das Improvisieren,…die Japaner seien, wie man sagt, eher etwas wie die Deutschen: logisch, regelhaft. Aber klar sind die Vergleiche nicht perfekt. Aber das die Inselvoelkchen immer ein bisschen speziell sind, scheint mir eine universelle Wahrheit zu sein.
Bilder kann ich momentan keine online stellen, vielleicht kommen die restlichen erst wenn ich zu Hause bin, dann bleibt auch nur noch eine Auswahl der besten Bilder im Netz, sind sonst wirklich zu viele.
Ich freue mich aufs Wiedersehen!

Veröffentlicht von

Sascha Foerster

Sascha Foerster ist Geschäftsführer der Bonn.digital GbR, Social-Media-Berater, Community Manager, Moderator für Barcamps und Speaker bei Digital-Events.