Seoul, viele Menschen und koreanische Gastfreundschaft

Kann man sich das vorstellen, dass 20 Millionen Menschen auf einem uebersichtlichen Flecken Erde wohnen, leben, arbeiten, sich verlieben, ausgehen, auf Toilette muessen und was weiss ich nicht alles. Alles dies passiert tagtaeglich hunderttausendfach ganz nah beieinander in Seoul, ohne dass es etwas besonderes dabei gaebe, so scheint es zuerst. Bevor ich aber von Seoul berichte, muss ich nochmal ins Krankenhaus Asan zurueckspringen, naemlich zu meinen letzten Tag dort.

Waehrend der Nachmittagspause kam der Anasthesie-Arzt ins Schwesternzimmer, erkundigte sich nach mir, erfuhr, dass es mein letzter Tag ist und fragte nach meinen weiteren Plaenen. Ich liess ihm sagen, dass ich nach Jejudo gehen moechte, eine Insel im Sueden, wo viele Koreaner in die Flitterwochen fahren, mit Vulkan in der Mitte. Es stellt sich heraus, dass er selber auf Jejudo aufgewachsen ist, er ruft sofort seine Verwandten dort an, nebenbei fragt er, wann und wielange ich dort bleiben moechte. Ich war etwas baff, dass er sofort anruft. Diesmal hat er niemanden erreicht. Kurz darauf wird bekannt gegeben, dass wir heute Abend alle zusammen Essen gehen werden, der Anaesthesie-Arzt, sein Freund, Direktor der Radiologie, die OP-Schwestern und natuerlich mein koreanischer Freund und ich.
An diesem Abend durfte ich koreanische Gastfreundschaft schmecken. Es wurde ein sehr feuchtfroehlicher Abend mit sehr sehr viel koreanischem Schnaps, bedingt durch die Trinkspiele und Gesten der Freundschaft, die sich ausdruecken in dem die Aerzte uns ihre gefuellten Glaeser anboten, wir auf Ex austrinken mussten und dann wiederum ihre Glaeser fuellen durften. Im Laufe des Abends wurde das Englisch der Koreaner im Besser, je hoeher ihr Alkoholspiegel lag, und der stieg betraechtlich schnell. Da war ich gerade noch gut angeheitert, da war das asiatische Blut schon voll mit Alkohol, ich vermute es hat mit den Genen zu tun. Das ich trinkfest bin, kann ich nun wirklich nicht behaupten. Es gab Geschichten ueber ihre Reisen: Der Radiologie-Chef war schon in Frankfurt, aber das Bier in Tschechien haette ihm besser geschmeckt. Ganz nebenbei wird telefoniert und danach mir mitgeteilt, dass ich auf Jejudo willkommen sei. Ich werde Montag von der Faehre abgeholt und von einem Verwandten, der Professor fuer Notfallmedizin ist, aufgenommen und rundum versorgt. Er wuerde mir die Insel zeigen und sich um mich kuemmern. Ich war baff. Und betrunken: Vor Glueck, Soju und koreanischer Gastfreundschaft. Nachdem Abend im Norebang (dem koreanischen Karaoke) mit den 5 Krankenschwestern war dies wieder ein wundervoller Abend den ich voller Dankbarkeit im Herzen behalten werde.

Am naechsten Tag haben mein koreanischer Freund und ich unseren ordentlichen Kater im Bus Richtung Seoul ausgepennt. Zwischendurch bin ich aufgewacht und habe nur zwei Dinge erkannt: Wo es flach ist, wird Reis angebaut. Wo Huegel sind, da sind die Graeber der Ahnen. Wir naherten uns Seoul und mir wurde ein bisschen anders. Die Berge verschwanden und wurden ersetzt von Anreihungen von riesigen Hochhausern, massenhaft. Wohnungstuerme fuer die Seouliten, so nennen sie sich selber.
Am Abend wurden wir von dem Mann der Cousine zum Essen eingeladen, wiedereinmal ein feutchtfroehlicher Abend, der sehr viel Spass gemacht hat. Immer wieder die Frage, ob es nicht zu scharf sei und ob es mir schmecke, und die Einladung jederzeit wieder in Seoul vorbeizukommen.
Ueber Seoul kann ich nicht viel sagen, da fehlen mir komischerweise die Worte fuer, vielleicht sprechen die Bilder mehr. Aber es ist eine unglaubliche Ansammlung von Menschen. Ganze Viertel voll von jungen huebschen Menschen, die ausgehen, kilometerlange Strassen nur mit Bars, Restaurants und Kneipen. Eine Nacht bin ich stundenlang im Kreis gelaufen und wieder an genau der gleichen Stelle ausgekommen, so ein Wahnsinn ist es. Also mir fehlen wahrlich die Worte dafuer.
An zwei Tagen wurde ich von der Cousine meines koreanischen Freundes begleitet. Die Sorge bei den Eltern war sehr gross, sie erzaehlten mir von Seoul, dass man dort seine “Nase verlieren” wuerde, soll heissen, ich soll auf mich aufpassen. Dabei war es gar nicht so schlimm. Die Stadt ist trotz ihrer Masse an Menschen meiner Meinung nach einer der sichersten Orte der Welt. Warum das so ist, weiss ich auch nicht genau.
Vielleicht liegt es zum Teil daran, dass es kaum Auslaender gibt. Ich bin wirklich ein Kuriosum, immer wieder gibt es kleine freche koreanische Maedels die mir “Hey” hinterherrufen. Nur an den touristischen Sehenswuerdigkeiten, wie zum Beispiel den Tempeln sieht man oefter mal ein nichtasiatisches Gesicht. Leider hat das dazu gefuehrt, dass ich mich in Seoul sehr schnell sehr fremd gefuelht habe, vor allem am Tag, an dem ich nicht von der Cousine begleitet wurde. Ueberhaupt hatte sich sehr schnell eine Sehnsucht zur Natur bei mir herausgestellt, ich wollte wieder zurueck an den Strand, zur Familie, wollte mit meinen koreanischen Freund reden und von den Gruenteebergen umgeben sein.
Was auch zu einem kleinen Kulturschock gefuehrt hat, war meine erste Erfahrung mit Couchsurfing, die allgemein gesehen eine sehr gute war. Ich empfehle sich mal Couchsurfing.com anzuschauen, umsonst uebernachten auf der ganzen Welt. Ich habe 3 Naechte bei einer Amerikanerin uebernachtet, die Englischlehrerin in Seoul ist. Eine ziemlich aufgedrehte Frau, total “outgoing” wie Amerikaner nunmal sind, offen und total nett. Nur leider war ich das gar nicht mehr gewohnt. Ich bin schuechterne, zurueckhaltende Menschen gewohnt. Sie selber war etwas unzufrieden, weil das Leben fuer sie nicht einfach war. Viele kulturelle Eigenheiten sind ihr fremd. Trotzdem hat sich rausgestellt, dass sie trotz der total anderen Oberflaeche ein Herz aus Gold hat, genau wie die meisten anderen Menschen, die ich hier kennen gelernt habe.
Meine Lieblingsstelle in Seoul ist der Namsan-Tower, von dem man die ganze Stadt
ueberblicken kann. Viele Paerchen gehen dort hinauf (die meisten mit der Kabelbahn, auch wenn die Treppen auf den Berg hinauf der anstrengendere aber auch tausendmal schoenere Weg hinauf sind) und bringen ein kleines Schloesschen am Zaun dort oben an. Alles sehr romatisch. Von den ganzen anderen Orten berichte ich weniger, das muss man sich anschauen.
Nun bin ich erstmal wieder in Yulpo, geniesse den Strand, lese, gehe etwas schwimmen und lerne weiter koreanisch. Mittlerweile faellt es mir immer einfacher Woerter zu merken, ich spuere Fortschritte.
Am Wochenende fahren wir nach Mokpo, am Montag werde ich von dort dann auf die Jejudo Insel mit der Faehre fahren.
Ich freue mich uebrigens sehr ueber Eure Kommentare! Ich bin sehr gespannt, was sich alles veraendert hat, wenn ich wieder zurueck bin!

Veröffentlicht von

Sascha Foerster

Sascha Foerster ist Geschäftsführer der Bonn.digital GbR, Social-Media-Berater, Community Manager, Moderator für Barcamps und Speaker bei Digital-Events.