Endlich beginnt der Sprachkurs…und ich verpenne!

Der Start war gestern war nicht so sauber, aber dafür lief es heute richtig gut. Es herrscht eine sehr positive Atmosphäre in unserer wildgemischten Gruppe. Wir lernen nicht nur die Sprache kennen, sondern auch Meditation und Teezeremonie.

Ich muss sagen, Jetlag ist eine verrückte Sache. Plötzlich ist man in einem Land und alles läuft anders. Wenn ihr gerade Mittag esst, dann gehe ich ins Bett. Wenn ich aufstehe, dann schlaft ihr gerade, und wenn ich fertig mit meinem Unterricht bin und Mittag esse, dann steht ihr gerade auf. Nur dass mein Körper in den letzten drei Tagen genau zwischen den beiden Zeitzonen, d.h. sieben Stunden weiter gewandert ist.
Das hat natürlich seine Auswirkung. Montag um 9 Uhr war der Einführungstest um festzustellen in welche Gruppe wir dürfen. Ich habe quasi nur meinen Namen eingetragen und die erste Seite angeschaut, aber nichts verstanden. Wie auch, wenn man gerade gelernt hat Hangul (die koreanische Schrift) zu entziffern. Aber trotzdem gehöre ich jetzt zur Fortgeschrittenen-Gruppen, weil die meisten anderen erstmal schreiben lernen müssen. Aber als die erste Stunde begonnen hat, wäre ich fast verzweifelt. Die Lehrerin stellte uns Fragen, auf die wir uns gegenseitig fragend anschauten. Keiner wusste Bescheid. Die Frau wusste nicht so Recht, was sie mit uns blutigen Anfängern in der Fortgeschrittenen-Gruppe machen sollte. Das sollte sich aber bessern.
Mittags gehen wir immer hier in die Mensa essen. Am Eingang kann man sich die Gerichte anschauen: Sogar in echt, wie sie aussehen, wenn sie drei Stunden im Schaufenster gelegen haben: Nicht so appetitlich, aber dann ist man überrascht wie gut das Essen aussieht, wenn man sich das warme Essen an der Küche abholt.
Nachmittags haben wir eine klitzekleine Führung durch die Uni bekommen. Die Universität ist eine Campus-Universität, etwas außerhalb der Stadt auf der anderen Seite des Flusses, quasi zwischen zwei Bergen in einem Hang sehr schön gelegen. Da es eine buddhistische Universität ist, gibt es neben den üblichen Uni-Gebäuden auch einen kleinen Tempel zum Meditieren und Beten.
Abends sind wir in die Stadt gefahren, haben uns den Markt angeschaut, der durch viele kleine Gassen geht. Es gibt eine Straße für Obst, eine für Fisch, eine andere für Kleidung, ab und zu ein Metzger oder eine Näherin. Die alten Frauen sitzen meistens im Schneidersitz oder in der Hocke auf dem Boden, tragen meist eine der typisch koreanischen Mützen, bunte Kleidung und preisen ihre Waren an, indem sie immer zu einem Schwätzchen bereit stehen. Hübsch, wenn auch sehr einfach, machen sie kleine Türme aus den Äpfeln in einer Schale, oder haben Becken aus denen die Fische lebend gezogen werden und frisch vor den Augen des Käufers und der Passanten zubereitet wird.
Der nächste Morgen hat bei mir erst um 13 Uhr mittags angefangen als es an meiner Tür klopft und ich aus meinen süßen Träumen gerissen werde. Ich habe den ersten ordentlichen Kurs verpennt. Um glatte 5 Stunden. Aber wie soll man das auch schaffen, wenn man plötzlich um 1 Uhr nachts mit Sprachkurs anfangen soll! Unsere Leiterin war aufgeregt, wo ich denn bleibe, aber als man mich mit verschlafenen Augen in Unterhose aus meinem Türspalt blinzeln sah, beide, Türspalt als auch Auge nur so wenig wie möglich geöffnet, machte sich doch Erleichterung breit. Ich war erleichtert, als ich die Tür wieder zu machen und mich mal ein wenig anziehen konnte.
Am Nachmittag gibts ja immer einen Kulturkurs, und so haben wir am Dienstag bei einer buddhistischen Meditation teilgenommen. Der Unterricht fand im Tempel statt, der wundervoll bemalt ist und eine sehr schöne Atmosphäre hat. Am liebsten würde ich solch einen Trainingsraum haben. Mit Powerpointunterstützung erklärte uns der buddhistische Mönch seine Emotionstheorie. Der Mensch strebt zum Glücklich sein, aber Gier, Neid und Irrglauben intervenieren immer wieder. Aber Glück kommt nicht von außen, sondern von innen! Daher kann man mit Meditation seine Konzentration nach innen richten (sehr gekürzt). Danach zeigte er uns ein paar Jogaübungen. Dabei haben ich und die anderen gemerkt, wie steif wir alle sind. Mit dieser Erkenntnis begann unsere fünfminütige Meditation, die mir seltsamerweise sehr kurz vorkam. (Wer nicht versteht, warum ich das seltsam finde, der soll mal versuchen nur 5 Minuten nichts zu tun! In den meisten Fällen können so 5 Minuten sehr lang werden.)
Ich erinnerte mich an das Shinson Hapkido-Training in meiner Kindheit und ich habe den Ursprung von vielen Elementen wiedererkannt. Die Art der Bewegung, die Körperstellungen, das Atmen, das kam mir sehr vertraut vor, nur diesmal fand das alles in der originalen Umgebung statt. Ich möchte gerne wieder trainieren!
Heute habe ich zum ersten Mal bei dem Koreanischunterricht teilgenommen. Wir sind momentan zu fünft und das Tempo ist ordentlich, was mir sehr gefällt. Einer der unseren ist Rentner, für ihn ist es meist etwas schwierig umzuschalten, wenn die nächste Übung kommt, aber dafür kümmert sich die verständnisvolle Lehrerin etwas mehr um ihn. Das Niveau wurde auf uns angepasst, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis wir das Niveau erreicht haben, auf das wir getestet hätten werden sollen.
Das Nachmittagsprogramm fand ich heute ganz besonders schön. Auf die Teezeremonie habe ich mich schon vor dem Abflug gefreut. Heute habe ich ganz genau beobachtet, wie eine original koreanische Teezeremonie abläuft. Erst haben wir zugeschaut, danach durften wir selber die Rollen Gast und Gastgeber übernehmen, was eine echte Herausforderung ist, da jede Geste ihren Sinn hat und man alles in der richtigen Reihenfolge tun muss. Mit sehr viel bedacht nimmt man zuerst die Tücher von den vorbereiteten Gedecken. Dann folgt eine Runde mit heißem Wasser das man vom Kessel in eine kleine Schüssel, dann in die Kanne, dann in die Tassen und danach in den Abwasserbehälter schüttet. Damit wären alles Gefässe aufgewärmt.
Die zweite Runde ist die Teerunde. Dabei schüttet man zuerst Wasser vom Kessel in die Schüssel, dann nimmt man den Grüntee aus seinem Gefäss und schüttet zwei kleine Löffel in die Kanne. Das leicht abgekühlte Wasser schüttet man nun in die Kanne und wartet zwei Minuten, bei denen man sich unterhalten kann. Die koreanische Teezeremonie ist etwas lockerer als die japanische, sagte uns die Leiterin. Wenn der Grüntee gezogen hat, schüttet man zuerst in die Tasse des Gastes, dann in die eigene, dann nochmal in die eigene, dann wieder in die des Gastes, also insgesamt viermal, damit erstens der Tee gleichmässig verteilt wird, aber auch damit der stärkere durchzogene Teil gleichmässig verteilt wird (Gegen Ende wird der Tee immer grüner und dann auch bitterer.) Dann reicht man seinem Gast die Tasse, der sich dann artig auf koreanisch bedankt und verneigt, was der Gastgeber mit einer Verneigung erwidert. Sodann schaut man sich zuerst den Grüntee genau an, genießt den Anblick, hebt die Tasse Richtung Mund, schnuppert genau wie der Grüntee riecht und duftet um schlußendlich seine Geschmackspapillen, die sich jetzt schon freuen, mit Grüntee zu umspülen und so zu vergnügen. Auch der Abgang braucht Aufmerksamkeit und durch die Konzentration bekommt die winzig kleine Tasse Grüntee einen so vollen Geschmack, dass ich selbst jetzt noch, einen halben Tag später, genau weiß, wie dieser eine kleine Schluck geschmeckt hat. Diese Teerunde wiederholt man mindestens dreimal, wobei man seinen Gast nach dem Trinken auffordert einen der kleinen Kekse auf seinem Teller zu probieren. Man darf sich natürlich auch selber einen Keks genehmigen. Wenn der Gast ausgetrunken hat, reicht er seine Tasse wieder zurück.
Wer denkt, jetzt kann man nach Hause gehen, der irrt. Auch das Beenden der Teezeremonie gehört dazu! Zuerst schüttet man wieder heißes Wasser in die Schüssel, aber dann nicht mehr in die Teekanne (da ist ja noch Grüntee drin!), sondern direkt in die Tassen. Die halbvollen Tassen mit ihrem Satz Grüntee und dem heißen Wasser schwenkt man und schüttet es in den Abwasserbehälter. Danach rollt man den Rand der Tasse zum Trocknen über ein Tuch und stellt sie zurück. Zum Schluss werden die Tücher wieder über das Service gelegt und man sagt so ungefähr: „Charel chal maschesimnida“, was soviel heißt wie: „Der Tee hat mir gut geschmeckt“, nur eine Stufe höflicher, als das jetzt klingt. Dann steht man auf, verbeugt sich und jetzt dürft ihr gehen.
Ich glaub das war genau genug oder? Es gibt viele Details, wie zum Beispiel die Haltung der Hand, die Richtung des Ausschüttens und die Reihenfolge der einzelnen Gesten, die man noch weiter aufschlüsseln kann, aber für Anfänger muss es reichen. Scheinbar gibt es auch noch viele weitere Versionen, die aber auf diesem Schema aufbauen. Eine Kunst für sich, die man sogar hier studieren kann.
Für heute verabschiede ich mich und vielleicht macht ihr Euch ja heute Abend einen Grüntee! 😉 Zum Wohl!

 

Veröffentlicht von

Sascha Foerster

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