Das Restaurant Sang-Ah in Yulpo

Die ersten Tage in Korea habe ich bei den Eltern meines Freundes verbracht. Die Eltern von meinem Freund betreiben zusammen mit seinen Onkel und Tante das Restaurants Sang-Ah in Yulpo, dazu gehoert auch ein kleiner Supermarkt und ein paar Gaestezimmer, alles direkt an einem Strand mit traumhaftm Ausblick auf die Inseln vor Koreas Suedkueste. Ich muss sagen, ich habe mich in die koreanischen Berge verliebt.

Das Restaurant ist nach der Schwester meines Freundes benannt, die seit ihrer Kindheit daraum bittet, das Restaurant umzubennen. Der Ort ist sehr touristisch, Dazu muss ich aber sagen, dass ich hier als „Western Style“ mit zweiter Lidfalte sehr auffalle. Hier fahren wirklich nur Koreaner hin, ueberhaupt sind Auslaender sehr rar gesaet. In meiner bisherigen Zeit auf dem Land habe ich vielleicht 5 gesehen.
Zwei Tage lang haben wir im Restaurant beim Kellnern geholfen. Manche Unterschiede zu einem deutschen Restaurant sind sehr offensichtlich, zum Beispiel, dass man die Schuhe beim Eintreten auszieht, auf dem Boden an einem kleinen Tisch sitzt und Staebchen benutzt. Aber ich hatte so einige neue Benimmregeln zu lernen, das ist nicht so einfach, weil nichts selbstverstaendlich ist. Beispielsweise schuettet man sich nie selber ein, und wenn jemand mir etwas einschenkt, halte ich mein Glas mit beiden Haenden fest, als Ausdruck meines Dankes. Oder dass man auf keinen Fall und wirklich unter keinen Umstaenden sich am Tisch die Nase putzen darfm das waere eine Unhoeflichkeit hoechsten Grades und die Gaeste wurden das Restaurant verlassen. Andere Sachen werden hier viel lockerer genommen als in Deutschland, beispielsweise steht der Onkel nach dem Essen auf, streicht seinen Bauch, rueckt seine Hose zurecht und roelpst dass sich die Balken biegen. Die Frauen machen es auch, nur etwas weniger in Szene gesetzt. Selbst als ich einen kleinen Hoeflichkeitsroelpser in Richtung der  hervorragenden Koechin mache, wird dies als wohlwollendes Zeichen verstanden und alle stimmen ein: Sascha hat es sicher gut geschmeckt. Ich finde es sehr witzig zu sehen, wie unterschiedlich Benimmregeln sein koennen, und sie dann auch anzupassen.
Das Restaurant ist sehr einfach eingerichtet, trotzdem ist mir aufgefallen, dass hier alle Menschen essen kommen. Die Reichen und Armen, alleine, zu zweit oder mit der ganzen Familie, junge Maedchen und ganz alte Leute. Wenn man moechte kann man sich das Essen auch nach Hause liefern lassen. Das Essen hier ist wirklich guenstig, es kostet umgerechnet vielleicht 3 Euro, so dass eigentlich jeder es sich leisten kann ins Restaurant zu gehen.
Die Gaestezimmer haben mich auch auf die Probe gestellt. Direkt hinter der Tuer zieht man seine Schuhe aus und bleibt barfuss, um keinen Dreck ins Zimmer zu bringen. Ein Bett gibt es keines, nur einige Decken und Kissen, die man sich nachts zu einem Bett macht und uebertag auf Seite raeumt. Sehr effizient ist auch das Badezimmer. Es ist nur circa einen Quadratmeter gross und beeinhaltet Toilette, Waschbecken und direkt daran die Dusche. Das Badezimmer befindet sich neben der Tuer und man zieht ein gesondertes Paar Schlappen an, um es zu betreten. Achja, das wichtigste haette ich fast vergessen: Die Klimaanlage. Ohne sie wuerden die Koreaner es nicht aushalten. Umgekehrt musste ich mich sehr schnell ans Duschen mit eiskaltem Wasser gewoehnen: Nichts mit Warmduschen hier! Jeder hat so seine eigene Vorstellungen von Komfort.
Wohl wahr, die Koreaner fragen mich sehr oft, ob mir denn das Essen schmeckt, vermutlich befuerchten sie, dass es zu scharf ist. Aber es ist wirklich lecker, man gewoehnt sich nicht nur an die Schaerfe, sie macht auch suechtig. Vielleicht ist es etwas einseitig, denn ein Essen ohne Reis, Gimchi (in scharfer Sosse eingelegter Kohl) oder den asiatischen Nudeln ist kein Essen. Kartoffel werden eigentlich nur fuer die Sosse benutzt. Das eigentliche Lieblingsgericht der Koreaner heisst Jajangmyon, das sind gruene Nudeln mit einer dunklen Fleischsosse. Man sagte mir, wer Jajangmyon nicht mag, ist kein Koreaner. Ich mag es wirklich, laut die Nudeln mit dem Staebchen in meinen Mund zu fuehren und sie dann laut schluerfend raufzusaugen. Wo sonst ist es zu Hause schliesslich erlaubt.
Die Eltern sind wirklich nett zu mir: Jeden Tag darf ich mir ein neues Gericht von der Speisekarte aussuchen, bisher war auch wirklich alles koestlich. Die Familie beobachtet, wie ich die Zeichen entziffere und freut sich, wenn es jeden Tag  mit dem Lesen besser geht.
Die Sprache ist leider noch ein Problem, denn ich glaube ich kann noch nicht genug kommunizieren um wirklich in Kontakt mit Koreaner kommen zu koennen. Denn Koreaner sind ein sehr schuechternes und zurueckhaltendes Volk: Wenn ich sie auf Englisch anspreche, fuerchten sie sich und laufen weg. Einerseits wegen ihrer Aussprache, bei der man kaum „pissing“ von „fishing‘ unterscheiden kann, und sie deswegen ausgelacht werden. Nebenbei halten sich Koreaner die Hand vor den Mund, wenn sie lachen. Mein Nachname entpuppt sich als echter Zungenbrecher fuer sie. Aber ich mache taeglich grosse Fortschritte in Koreanisch um Ihnen entgegenzukommen. Innerhalb von 3 Tagen konnte ich die Schriftzeichen langsam lesen, jetzt lerne ich Wortschatz und versuche mich an den ersten einfachen Saetzen. Wenn wir mit der Familie zusammen essen, dann hilft mir mein koreanischer Freund und uebersetzt fuer mich alles wichtige. Man merkte auf beiden Seiten, die Anspannung die sich nach dem dritten gemeinsamen Tag spuerbar geloest hat. Vielleicht auch, weil ich mittlerweile ein wenig mit ihnen kommunizieren kann und sie es sehr witzig finden, wenn ich zum zehnten Mal “ Hmmm…lecker“ sage.
Mein persoenliches Lieblingsgetraenk hier heisst „Maejil“, das ist eine Art Pflaumensaft. Aber zum Abendessen gibt es meistens ein suesses koreanisches Bier und Soju: ein leckerer Schnaps. Man muss ihn auf Ex trinken, wenn man von einem aelteren dazu aufgefordert wird. Gluecklicherweise nutzt das aber keiner aus, obwohl ich der juengste bin. Wichtig dabei ist nur, dass ich mich zur Seite drehe und das Glas nicht vor den Augen der Eltern runterspuele.
So spielte sich mein Leben in den ersten 4 Tagen hier ab. Die Kreise, die ich gezogen habe, sind noch sehr klein und ich bin abgesehen von einem Spaziergang meist bei meinem Kumpel geblieben. Schritt fuer Schritt ziehe ich aber grossere Kreise.
Seit drei Tagen arbeite ich nun mit meinem koreanischen Freund als Praktikant im Krankenhaus Asan in Boesong, dem naechst gresseren Ort. Mehr davon beim naechsten Mal!

Veröffentlicht von

Sascha Foerster

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