Der Flug und die Weiterreise nach Yulpo

Hallo liebe Freunde,

안녕하세요: für den, der es nicht lesen kann: „Anyeong haseo“, was soviel heißt wie: Guten Tag! oder genauer genommen: Lebst du in Frieden?

Es ist für mich ein Kulturschock in kleinen Schritten: Zuerst ist mein koreanischer Freund der Fremde in meinem Heimatland. Mit jeder weiteren Etappe Richtung Seoul sind immer mehr Koreaner um uns herum. Spätestens in Helsinki, als wir in das Flugzeug nach Seoul steigen, ist mir klar geworden, dass ich die Ausnahme geworden bin und er die Regel. Es sind nur Äußerlichkeiten, aber meine zweite Lidklappe und noch andere körperliche Merkmale zeigen auf den ersten Blick, dass ich Ausländer bin, ohne dass ich ein Wort gesprochen hätte. Bei meinen Reisen in Europa war das noch anders.

Es war mein erster Langstreckenflug, überhaupt mein erster Flug außerhalb Europas, aber alles lief wie ich es mir gedacht hatte. Die langen Flugstunden verbringt man mit dem Unterhaltungsprogramm auf dem kleinen Bildschirm im Sitz des Vordermanns, die meist blonden Stewardessen von Finnair bringen das Essen, dann kann man weiter schlafen. Also Film schauen, Essen schlafen: 10 Stunden lang in Schleife. 

Der Flughafen Incheon ist sehr modern, alles lief wie am Schnürchen: mein allererster Stempel im Reisepass. Ich schaue ihn mir genau an, ich spüre Besitzerstolz. Wir wollen zum Bus um weiter nach Yulpo zu fahren, dort wo die Eltern meines Freundes ein kleines Restaurant besitzen. Dann der erste Schock: Wir gehen raus zum Bus und eine schwüle Welle der Hitze erschlägt mich heiß, erst im Bus wird die Temperatur wieder angenehm. Die erste Erkenntnis bahnt sich an: Dieses Land und seine Menschen kann ohne Klimaanlagen nicht überleben. Jeder Raum, jedes Fahrzeug, jede Hundehütte ist klimatisiert. Spätestens als wir an den Hochhäusern von Seoul entlangfahren sieht man, dass an jedem Fenster eine Klimaanlage hängt. Beeindruckend. Der gedankliche Klima- und Strom-Wahnsinn wird mir erst bewusst, als ich mir vorstelle, dass in diesen Zimmern auch eine Küche und ein Kühlschrank steht, die ihrerseits wieder Hitze abgeben und vor allem Strom verbrauchen…beim Fortführen des Gedanken bis zu den Atomkraftwerke, die mit Flusswasser gekühlt werden, muss ich abbrechen…

In Boseong müssen wir den Bus wechseln und mir wird klar, dass ich ohne meinen koreanischen Freund total verloren wäre. Wir stehen vor einer Tafel mit Busverbindungen und Uhrzeiten, und ich komme mir tatsächlich wie der Ochs vorm Berg vor. Ich würde zu diesem Zeitpunkt niemals einen Bus finden können, der mich hinbringt, wo ich hinmuss. Mit Englisch oder Deutsch komme ich vielleicht noch in Seoul weiter, aber hier auf dem Land oder in den kleineren Städten habe ich kaum eine Chance.  So habe ich mir vorgenommen Korea wie ein Kind kennen zu lernen. Je besser ich die Sprache verstehe, desto grössere Kreise kann ich ziehen und um so weiter kann ich reisen. Und genau so habe ich es auch gemacht.

Veröffentlicht von

Sascha Foerster

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